Wie unterscheiden sich die hämatogene Therapien H.O.T. – OZON – UVB

Die Geschichte der Klassischen Hämatogenen Oxydations-Therapie (H.O.T.) n. Prof. Wehrli ist schon über 70 Jahre alt und zeigt damit ihren hohen Stellenwert in der Naturheilkunde. Begonnen hat es 1922, hier  führte Naswitis in der Charité Berlin erste tierexperimentelle Untersuchungen durch. Unter Umgehung des Filters Haut führte er UV-Bestrahlungen des Blutes durch und stellte daraufhin eine Erhöhung der Erythrozyten und der Leukozyten fest.1925 entwickelte Becher das erste Gerät zur extrakorporalen UV-Bestrahlung des Blutes.Bereits 1928 fand diese Methode Interesse in den USA. Knott entwickelte einen “Hämoirradiator” und behandelte moribunde Patienten, die an Sepsis litten, mit erstaunlichem Erfolg.
Zwischen 1940 und 1969 hat Olney das Transfusionsblut von etwa 800 000 Patienten nur mitUV-Licht bestrahlt. Er konnte nachweisen, dass keiner dieser Patienten an einer Serumhepatitis erkrankte, was zur damaligen Zeit ungewöhnlich war.

Seit 1925 beschäftigte sich der Schweizer Arzt F. Wehrli mit der Entwicklung der Hämatogenen Oxydationstherapie. Nach langen Jahren der Forschung und im praktischen Einsatz erkannte er, dass 3 Komponenten die Säulen der Therapie sind.

1. UV-C Strahlung: Im Mittelpunkt der H.O.T. steht die direkte energiereiche Bestrahlung des Blutes mit dem UV-C Niederdruckstrahler.Die emittierten Photonen (Lichtteilchen)  wirken physikalisch auf das zu behandelnde Blut ein. Photonen sind für die Übertragung und Speicherung von Informationen in einem biologischen System, wie dem menschlichen Körper, notwendig.

2. Durch die Aufschäumung des Blutes und Sättigung mit Sauerstoff erhalten wir große Oberflächen in Form von Blutblasen. Dadurch wird die Bestrahlung auf die Blutinhaltsstoffe optimiert und zugleich der Anteil des reaktionsfähigen Sauerstoffs vergrößert.

3.  Das Hämoglobinmolekül im Blut wirkt als Photosensibilisator, das heißt, es nimmt die Photonen der UV-C Strahlung auf und überträgt sie auf den Sauerstoff, der in den Blutblasen gelöst ist.
Auf diese Weise entsteht Singulett-Sauerstoff, der für den Autokatalysezyklus der H.O.T. von wesentlicher Bedeutung ist. Der Autokatalysezyklus sorgt durch eine Kettenreaktion für die lang anhaltende Wirkung der H.O.T.
Die UV-Strahlung im Blut von speziellen Molekülen (Chromophore) aufgenommen, die in einen energetisch angeregten Zustand versetzt werden.
Diese energiereichen Verbindungen sind als Chemilumineszenz noch bis zu 46 Wochen im Cholesterin nachweisbar.

Nur durch Zusammenwirken aller drei zuvor genannten Faktoren schließen sich biochemische Wirkungen, Ergebnisse und Befunde an, die dann zu den typischen klinischen Resultaten und kurativen Auswirkungen führen.
Wehrli konstruierte einen komplizierten Apparat aus Quarzglas, der er erstmalig 1957 auf dem Therapiekongreß in Karlsruhe der Ärzteschaft vorstellte. (siehe Abb. 1)

Dieses Gerät war sehr umfangreich, und es mussten nach jeder Behandlung alle Teile, die mit Blut in Berührung kamen, mit großem Aufwand gereinigt und sterilisiert werden.Die im Laufe der Jahre danach konstruierten Geräte waren zwar kleiner, mussten  jedoch fast alle mit ähnlichem Aufwand für die nächste Behandlung vorbereitet werden. Das hielt viele Therapeuten trotz der überdurchschnittlichen therapeutischen Erfolge von diesem Heilverfahren ab.

Wehrli, der 1892 in St. Gallen geboren wurde und 1964 in seiner Privatklinik in Locarno verstarb, widmete sein ganzes Leben der Grundlagenforschung der H.O.T. und der Anwendung am Patienten. Er hatte ausgezeichnete wissenschaftliche Berater, z. B. Prof. Albers, Leiter des Biochemischen Instituts der Universität Mainz, Prof. Pischinger, damals Histologe an der Universität Graz.
Weitere Grundlagenforschungen über H.O.T. stellte Pischinger an, der 1956 die physiologische Leukozytolyse beschrieb. Wennig fand bei seinen Forschungen eine Verbesserung der Phagozytose sowie eine Aufhebung der Geldrollenbildung der Erythrozyten nach H.O.T. - Behandlungen.

Bereits 1957 wurde die “Internationale Ärztliche Arbeitsgemeinschaft IÄA für H.O.T.ge gründet und schloß sich dem Zentralverband der Ärzte für Naturheilverfahren an.

1962 hatte Wiesner bei einem Kongress in Baden-Baden einen Vortrag von Wehrli gehört. Er war beeindruckt von seinen Ausführungen und seine therapeutischen Ergebnissen und wandte die H.O.T. erstmalig in der DDR an. Dabei erzielte er erstaunliche Erfolge und hierbesonders bei der Peripheren arteriellen Verschlußkrankheit (PAVK).
Da eine weitere Gerätebeschaffung aus Devisengründen nur schwer möglich war, entschloss sich Wiesner, 1965 selbst ein Gerät zu konstruieren. Dabei half ihm der Ingenieur Stadtlaender, der damals als Zweitstudium Medizin an der Charité studierte.
Stadtlaender schrieb 1969 seine Doktorarbeit über die “Hämatogene Oxydations-Therapie”

Die therapeutischen Erfolge der UVB waren beachtlich, reichten aber nicht an die kurativen Ergebnisse der klassischen H.O.T. heran.

Das liegt in erster Linie daran, dass bei der UVB nur 15 – 20 % des für die Behandlung entnommenen Blutes bestrahlt werden. Die maximale Eindringtiefe der UV-C Strahlen liegt zwischen 0,5 – 0,8 mm, die bestrahlte Oberfläche des Blutes im Quarzglas ist relativ klein.

Dazu kommt noch, dass bei der UVB nur der am Hämoglobinmolekül gebundene Sauerstoff aus dem Venenblut zur Verfügung steht. So wird nur eine sehr geringe Menge zu Singulett-Sauerstoff aktiviert.

Da bei der H.O.T. eine optimale Oberflächenvergrößerung durch die sauerstoffgesättigten Blutblasen stattfindet, und diese zu 90 – 98 % des Blutes den UV-C Strahlen ausgesetzt werden.

Dadurch bietet die H.O.T. die besten Voraussetzungen, um den photochemischen Prozess voll wirksam werden zu lassen.

Ab 1976 wurde die Grundlagenforschung der H.O.T. an der Universität Bonn von dem Direktor des Biochemischen Instituts, Prof. Zilliken, durchgeführt. Dieser berichtete 1978 erstmalig in Freudenstadt über seine Ergebnisse mit der H.O.T..

Er bezeichnete den Singulett-Sauerstoff als wahrscheinlich entscheidendes Agens bei dieser Therapie.

Seit 1982 wurden an der Universität Marburg unter Kaffarnik und Goebel Dissertationen über H.O.T. bei Fettstoffwechselstörungen und “Untersuchungen von Phosphatiden, Erythrozytenenzymen, des Blutbildes, der Blutgerinnung nach H.O.T.” durchgeführt.

1974 hörte ich zum ersten Mal von der H.O.T. nach Prof. Wehrli während meiner Assistenzzeit in Cuxhaven. Mein Mentor riet mir, wenn ich meine eigene Praxis eröffne und dazu noch gute Beziehungen zu einem Arzt hätte (die hatte ich), sollte ich mir anstelle eines Ozongerätes, welches er selbst einsetzte, ein H.O.T.-Gerät zulegen. Dieses sei sehr viel wirksamer, ungefährlicher als Ozon und auch preislich günstiger. Damals wurden diese Geräte leider nur an Ärzte verkauft.

Seit 1975 setze ich die H.O.T. in meiner Praxis ein, nun arbeitet auch meine Tochter seit einigen Jahren in ihrer Praxis mit dieser effektiven und risikolosen Therapie.
Anfänglich war das Gerät mit vielen arbeitstechnischen Mängeln behaftet, die ich im Laufe der Jahre durch meine Kenntnisse als Maschinenbau-Ingenieur so verändern konnte, dass wir heute mit einem veränderten H.O.T.-Gerät mit Einwegmaterial problemlos arbeiten können. Das Gerät entspricht den Anforderungen der strengen Europäischen Medizinischen Geräteverordnung und somit dem Gesetz über Medizinprodukte (MPG) von 1994.

Seit 1981 werden diese H.O.T.-Geräte von der Firma RM-medico GmbH hergestellt und vertrieben. Seitdem ist es möglich, dass auch wir Heilpraktiker die H.O.T. in unserer Praxis einsetzen können.
1982 gründeten wir den Arbeitskreis H.O.T. nach Prof. Wehrli, den ich seit 1983 leite. Wir sind zurzeit 406 Therapeuten, davon ca. 1/3 Ärzte. Nach Rücksprache mit den verschiedenen Geräteherstellern arbeiten zurzeit etwa 2500 – 3000 Therapeuten weltweit mit der klassischen H.O.T. nach Prof. Wehrli, und davon einige seit über 45 Jahren.

 

Wo ist der Unterschied zur Ozon-Therapie?

Dies ergibt sich schon aus den verschiedenen Urstoffen:

Sauerstoff (lat. Oxygenium; chem. Formel O2) ist ein farb-, geruch- und geschmackloses Gas. Es ist wohl das lebenswichtigste Element und unentbehrlich für das Leben in der jetzigen form auf unserer Erde.

Ozon (chem. Formel O3) ist ein dreiatomiges Gasmolekül, das in der Atmosphäre in Höhen von 25 bis 40 km vorkommt. Es ist sehr geruchsintensiv und in konzentriertem Zustand explosiv und giftig (Zellgift), deshalb wird es auch zur Vernichtung von Mikroorganismen eingesetzt.

Dr. Erwin Payr, einer der Begründer der Ozontherapie, warnte vor falsch dosiertem Ozon. Er sagte: “ Das, was kleine Mengen von Ozon fördert, was die Lebensnotwendigkeit für viele Lebewesen bedeutet, wird durch hohe Ozonkonzentration zerstört.”
Da nun jeder Mensch in seiner körperlichen Konstitution, in seiner Krankheit und im physikalischen Stoffwechsel verschieden ist, so ist es meiner Meinung nach nicht immer einfach, eine für den Patienten richtige, d. h. auch wirksame und unschädliche Dosierung des Ozons durchzuführen.

Die wesentlichen Unterschiede zeigen sich bei den klinischen Ergebnissen:

1.      Bei der H.O.T. treten biochemische Vorgänge mit starker Energiebildung auf, die bei der Ozonbehandlung nicht nachgewiesen werden können.

2.      Die UV-C Lichtquelle mit ihrer spezifischen Wellenlänge, photochemischen Wirkung und ihrem Energiegehalt zur positiven Einwirkung fehlt bei der Ozontherapie ganz.

3.      Die Chemilumineszenz des mit Ozon behandelten Cholesterins ist kaum nachweisbar, im Gegensatz zu dem H.O.T. behandelten Cholesterin. Hier hält die Chemilumineszenz über 46 Wochen an.

4.      Das so wichtige Kriterium des Therapieerfolges, der Anstieg der peroxydase-negativen Granulozyten zur Aktivierung des Immunsystems sind bei der Ozontherapie im Gegensatz zur H.O.T. nicht nachweisbar.

5.      Im Warburg-Manometerversuch wurde festgestellt, dass eine Sauerstoff-Utilisationssteigerung bei dem mit Ozon behandelten Blut nicht registrierbar war. Im Gegensatz dazu zeigte das mit H.O.T. behandelte Blut eine signifikante Zellatmungssteigerung, d. h. eine Aktivierung des Redoxsystems.

In klinischen Untersuchungen, in denen die H.O.T. mit der Ozontherapie verglichen wurde, hatte man ein deutlich besseres Therapieergebnis, z. B. bei peripheren Durchblutungsstörungen in Bezug auf schnelleren Wirkungseintritt, bessere Wirkungsqualität und längere Wirkungsdauer zugunsten der H.O.T. festgestellt.

Es sind zwei absolut verschiedene Therapien; jede hat richtig eingesetzt ihre Berechtigung.

 

(Literatur beim Verfasser)

Norbert H. Gröss